Kinder fragen Katja
Kinderfragen als Seismograph. Bei selbstgebackenem Kuchen und Kaffee wurden die Landratskandidaten Kathrin Grumbach (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Heiko Kärger (CDU) und Michael Löffler im LeseLustcafé im Stine & Malte Haus Siedenbollentin von Kindern und Eltern gelöchert. Die Redaktion vom Familienmagazin für die Mecklenburgische Seenplatte und die Region Uecker-Randow hatte eingeladen. Wer die munteren Schülerrinnen beobachtete, der braucht keine Angst um Politikverdrossenheit bei Jugendlichen haben!
Auszüge aus dem Interview
Frage: Was kann ein Landrat für Kinder tun?
Katja: "Erwachsene müssen lernen auch mal Kindern zuzuhören. Ich möchte eine Politikerin zum Anfassen sein, die allen - auch Kindern - hier und da Politik anschaulich vermitteln kann und Spaß auf Politik, also Mitbestimmung macht.
Gern würde ich mich dafür einsetzen, dass die Wünsche von Kindern stärker berücksichtigt werden, z.B. bei der Gestaltung von Schulgebäuden und Schulhöfen oder bei den Freizeitangeboten, die vom Landkreis gefördert werden."
Frage: Was ist die wichtigste Aufgabe eines Landrats?
Katja: "Sich für die aktuellen Probleme der Menschen im Landkreis einzusetzen und sich für gute Rahmenbedingungen auch für das zukünftige Leben in der Region zu engagieren. Dabei kann man es nicht allen recht machen, sondern muss häufig zwischen verschiedenen Interessen vermitteln. Vor allem ist es wichtig, auch die Interessen von Schwächeren mit zu berücksichtigen, die keine laute Stimme haben. Das sind Kinder, aber auch Menschen mit Behinderungen und anderen Problemen. Und die Natur, denn die Natur kann sich nicht selbst vertreten."
Frage: Wenn Sie Landrätin im Großkreis werden, dürfen Kinder dann mitreden?
Katja: "Ja, unbedingt, denn beim Regieren braucht man Hilfe. Da ich schon ziemlich lange erwachsen bin, kenne ich mich bei den Wünschen von Kindern und Jugendlichen nicht mehr so aus. Deswegen möchte ich ein Kinder- und Jugendparlament ins Leben rufen, das mich berät. Das Gleiche sollte übrigens auch bei den älteren Menschen gelten, auch ein Seniorenparlament kann dem Landrat helfen."
Frage: Was passiert mit Schulen, die zu wenig Schüler haben und damit zu wenig Geld. Werden sie geschlossen?
Katja: "Das ist eine schwierige Sache. Ich glaube, es ist besser gut ausgestattete Schulen mit guten Ganztagsangeboten zu haben und längere Wege in Kauf zu nehmen als mit Provisorien zu arbeiten. Auf alle Fälle darf es nicht jedes Jahr neue Ideen und Ängste geben- sondern es muss ein langfristiger Plan her."
Frage: Wie komme ich zur Schule?
Katja: "Wir müssen es schaffen, dass alle die Möglichkeit haben, kostenfrei zur nächstgelegenen Schule zu fahren. Gerade bei speziellen Schulen wie einem Musikgymnasium kann diese Schulform auch mal etwas weiter weg liegen oder in einem anderen Landkreis. Dann müssen wir einen Weg finden, das zu organisieren und zu bezahlen, denn jedes Kind – egal ob die Eltern es zahlen können oder nicht – hat ein Recht auf die Förderung seiner Talente."
Frage:
Wie finden Sie, dass in Lubmin so viel Atommüll hingefahren wird?
Katja: "Das finde ich natürlich nicht gut. Aber der vorhandene Atommüll muss nun mal irgendwo gelagert werden. Wir müssen aufpassen, dass Lubmin kein Endlager wird und die Versprechungen gehalten werden, dass nun Schluss damit ist. Wir müssen so schnell wie möglich aufhören Atommüll zu produzieren, denn die Menschen haben immer noch keine Lösung für die Endlagerung des Atommülls."
Frage: Kann ein Landrat Tierheimen mit Geld helfen?
Katja: "Das kann eine Landrätin nicht so einfach, denn fast alle Entscheidungen werden im Kreistag, also unserem regionalen Parlament gefällt, vor allem, wenn es um Geld geht.
Die Landrätin kann aber vorschlagen, einen angemessenen Zuschuss für Tierheime bereit zu stellen und immer wieder über die Tierheime sprechen und so für Aufmerksamkeit sorgen. Oder sie kann Benefizveranstaltungen organisieren."
Frage: Was ist für Sie artgerechte Tierhaltung?
Katja: "Ich habe eigentlich einen landwirtschaftlichen Beruf erlernt und kenne mich da ganz gut aus. Jedes Tier hat andere Ansprüche, deswegen kann man nicht pauschal erklären was artgerecht ist. Man muss immer je nach Tierart abwägen und dabei auch die ökonomischen Faktoren berücksichtigen. Das heißt, ein Bauernhof mit 10 Hühnern und 5 Schweinen und 2 Kühen ist zwar schön, aber der Bauer kann davon nicht leben.
Das darf aber nicht heißen, dass dann gleich 40.000 Schweine oder 30.000 Hühner gehalten werden. Massentierhaltung ist nicht nur für die Tiere Stress, sondern auch für die Menschen problematisch. Wenige Arbeitsplätze entstehen, aber viele Menschen leiden unter dem Verkehr und der Luftverschmutzung. Auch das Grundwasser und die gesamte Natur nehmen Schaden.
Deswegen bin ich gegen Massentierhaltung und wünsche mir kleinere Einrichtungen mit eigenen Verarbeitungsbetrieben. Uns fehlen zum Beispiel kleine Schlachtereien und Käsereien – damit könnten die Bauern auch viel Geld verdienen und wir tun gleich noch was Gutes für die Natur und den Tourismus - denn davon leben ja auch viele Menschen in unserer Region."
Frage: Sind Sie für Ortsumgehungen? In Demmin wird gerade an der Brücke gebaut und der ganze Verkehr staut sich.
Katja: "Staus bei Brückenbauarbeiten wird es immer geben. Aber Demmin hat ja ein grundsätzliches Verkehrsproblem. Ortsumgehungen sind wichtig, nicht nur für Demmin. Auch Loitz, Waren oder Mirow leiden sehr unter dem Autoverkehr in der Innenstadt. Oft ist es aber nicht so einfach, eine neue Umgehungsstraße zu bauen. Es sind häufig große Eingriffe in die Natur nötig und teuer wird es auch. Daher muss immer zuerst überlegt werden, so wenig Autoverkehr wie möglich zu verursachen. Dazu gehört auch, dass es gute Radwege als Alternative gibt und attraktive Bus- und Bahnverbindungen." Die Interviews im Wortlaut könnt Ihr hier nachlesen.















