Tsunami - mehr als ein Seebeben?

Jutta Gerkan, Landesvorstandsmitglied

Der gewaltige Tsunami in Asien vom 26. Dezember 2004 lässt als Jahrtausend-Katastrophe die ganze Welt erbeben. Unvorstellbare Bilder liefen durch unsere Wohnzimmer und das zur Weihnachtszeit und zum Jahreswechsel. Der eine oder andere wusste zudem Bekannte oder Verwandte in der betroffenen Urlaubsregion. Der Tsunami löste eine bis dato nicht gekannte Solidarität aus.

Spenden

In Deutschland sind die privaten und Firmen-Spenden innerhalb von nur elf Tagen auf 150 Millionen Euro angewachsen. Die Bundesregierung hat eine stolze Summe von 500 Millionen Euro für einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren zugesagt. Ich frage mich nur, wie das Geld aufgebracht werden soll. Bleibt zu hoffen, dass es nicht bei der Bildung eingespart wird, sondern z.B. bei Rüstungsausgaben. Schlie�lich ist eine Aufstockung der Entwicklungshilfe die beste Verteidigung.

Was kommt nach der Soforthilfe?

Nach den ersten humanitären Ma�nahmen fängt die Arbeit erst richtig an: Bekämpfung von Krankheiten, dauerhafte Versorgung mit Trinkwasser, Wiederherstellung der Infrastruktur und der Wiederaufbau. Langfristig muss in das Frühwarn- und Bildungssystem investiert werden. Die betroffene Region darf nicht vergessen werden. Gro�e Hilfsaktionen sind medienwirksam. Wer aber trägt das tägliche Geschäft?

Katastrophe als Chance

Naturgewalten der Grö�enordnung lassen uns neu über unseren Umgang mit der Umwelt, der Natur und den Entwicklungsländern nachdenken. Geophysiker waren von dem Unglück nicht überrascht. Die Region zählt zu den klassischen gefährdeten Gebieten. Nur leider lernt der Mensch immer erst nach solchen Katastrophen.

Auf Sri Lanka dürfen als Konsequenz der Flutkatastrophe künftig keine Gebäude mehr innerhalb einer 300-Meter-Zone vom Strand errichtet werden. Das hat die Oderflut in Deutschland nicht geschafft. Zudem wurde auf der internationalen Konferenz in Jakarta die Installation eines Frühwarnsystems beschlossen.

Erstaunlich ist, dass viele Ureinwohner in der Region, die Dank ihrer Nähe zur Natur das Verhalten der Tiere deuten konnten, überlebt haben. Bleibt zu hoffen, dass das unermessliche menschliche Leid positive Früchte trägt und ein verantwortliches Handeln auch jenseits des momentanen Rampenlichtes ermöglicht. Verantwortliche Politik ist auch immer eine Frage von vielen mündigen Bürgern, die notwendige, wenn auch nicht immer bequeme, Entscheidungen mittragen.

Neue Weltordnung?

Das Seebeben führt uns vor Augen, wie weit die Globalisierung voran geschritten ist. Wir können nicht mehr die Augen vor dem verschlieÃ?en, was tausende Kilometer von uns entfernt geschieht. Angesichts dessen, dass der Mensch als â??FuÃ?gänger konzipiertâ?? ist, ist das eine groÃ?e Herausforderung an uns. (Zwar fliegen wir in die entlegensten Urlaubsziele, aber wirklich verarbeiten können wir die ganze Welt oder gar das ganze Universum wohl kaum.)

Wir müssen uns die Frage nach einer globalen Gerechtigkeit stellen. Neben der unübertroffenen Spendenbereitschaft ist es wichtig, dass die betroffenen Länder die Chance haben, sich selbst zu helfen. Es gilt die Wirtschaftskraft der Länder zu stärken. Neben dem Tourismus könnte das auch die Landwirtschaft sein. Doch viele Handelsbarrieren verhindern lohnende Geschäfte. Angesichts dessen ist es zynisch, sich über finanzielle Entwicklungshilfe zu unterhalten.

Den Punkt aufs I liefert die grüne Gentechnik, die meint, sie könne mit gentechnisch veränderten Pflanzen das Welternährungsproblem lösen.